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denere Weiſe an; es war beinahe, als wollte er die Zweideutigkeit des erſten Angriffs durch den Ernſt des zweiten in Vergeſſenheit bringen. Doch greifen wir unſern Leſern mit keinem Urtheile vor. Sie finden beide Schriften in unſerer Sammlung zuſammengeſtellt. Der Ruhm, den Hauff bei dem großen Publikum durch ſeinen„Mann im Monde“ beſonders dadurch
erhalten hatte, daß ihin die Schilderung des geſelligen
Lebens und der Erzählerton des Tages in ſo hohem Grade gelungen war, führte ihn immer mehr den Dar⸗ ſtellungen der modernen Welt und dem igentlichen Converſationston in der Novelle und dem Romane zu. So entſtand der zweite Band ſeiner Satansmemoiren,
und eine Reihe von Erzählungen, in welchen mehr oder
weniger, mit Verbannung des Phantaſtiſchen, das neueſte Leben geſchildert wird. Die jüngſte dieſer Ar⸗ beiten,„das Bild des Kaiſers,“ iſt übrigens eine Er⸗ zählung, in welcher ſo viel hiſtoriſche und poetiſche Wahrheit zugleich enthalten, und die Darſtellung ſo ganz von der eigenthümlichen Grazie des Verfaſſers beſeelt iſt, daß man ſie gewiß unter die gelungenſten Hervorbringungen ſeines dichtenden Geiſtes zählen darf.
Neben jener Richtung auf das rein Moderne ver⸗
folgte aber Wilhelm Hauff ſeit einiger Zeit auch eine
andere Bahn, auf welche ihn ebenfalls der Zeitgeiſt leitete, in der er jedoch mit richtigem Gefühl ein Gegen⸗ mittel gegen die Verflüchtigung ſeines Talentes durch die immer wiederholte Darſtellung des conventionellen Lebens ſuchte; er betrat die, längſt von Walter Seott


