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dafür war wieder jenes geliebte Bücherzimmer der Tum⸗ melplatz, wo die Brüder häufig in mannigfaltigem Spiele
darſtellten, was ſie geleſen oder geſehen hatten; denn
jene langen Foliantenreihen waren reich an Bildern, grob und fein, gut und ſchlecht, aus allen Zeitaltern, und ſo bildete ſich in den Köpfen der Knaben eine frei⸗ lich ſehr lückenhafte Geſchichte in Bildern; namentlich aber prägte ſich ihnen das Mittelalter und die Zeit ſeines Uebergangs in die neuere Geſchichte gar lebhaft ein, weil dazu des Großvarers Folianten den meiſten Stoff boten, und jene Periode wurde dadurch in der Phantaſie der Brüder eine Art Lieblingsperiode. Sie, die Göͤtz und Egmont und Wallenſtein auswendig wußten, waren entzückt, in Hardleders„Urſachen des deutſchen Krieges“ die eiſernen Fürſten und Herren, die Lanzenknechte mit ungeheuren Hoſen und Partiſanen, die Belagerungen und Feldſchlachten, und alle jene lehrreichen Kupfer zu finden, wo z. B. links Kaiſer Karl bei Mühlberg mit dem Heere über die Elbe ſetzt, in der Mitte den Chur⸗ fürſten von Sachſen ſchlägt, und rechts der arme Fried⸗ rich vor dem beleidigten Kaiſer kniet.
Auch die neueſte Geſchichte ging nicht leer aus; und hier waren die Geſpräche des Großvaters mit ſeinen Freunden, denen die Knaben unbemerkt hinter dem Ofen lauſchten, ein unſchätzbarer Commentar zu ihrem Mo⸗ niteur und ihrer einzigen hiſtoriſchen Quelle, dem ſchwä⸗ biſchen Merkur. Sie bauten Arſenale und Schanzen aus den beſtäubten Folianten für ihre papiernen Heere, ſchlugen Schlachten, haranguirten die Truppen, und in mancher Rede des kleinen Wilhelm würde, wenn ſie


