alles dies Nebenſache, und er ſchwelgte am liebſten in leichten Hiſtorienbüchern und Romanen. Mit ſehr vie⸗ ler Laune hat er ſpäter im erſten Bande ſeiner Memoi⸗ ren des Satan dieſe Neigung dargeſtellt, und uns ein komiſches Bild von ſeinem eigenen poetiſchen Treiben in der Schule unter fremdem Namen gegeben. Eine reiche Quelle eröffnete jenem Hange der große Bücher⸗ ſaal des alten Großvaters, eines gelehrten Inriſten. Dieſes Zimmer war überhaupt für die beiden Brüder recht eigentlich der Schauplatz ihrer Selbſtbildung. Es befanden ſich in ihm, außer juriſtiſchen, ſehr ſchätzbaren hiſtoriſchen Werken und den alten Klaſſikern, die deut⸗ ſchen Klaſſiker der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhun⸗ derts, und in ziemlicher Zahl die Romane von Smollet, Fielding, Goldſmith und Andern. Die neue Literatur wurde einzig und allein durch Goethe und Schiller re⸗ präſentirt. Alles dies war vor dem vierzehnten Jahr geleſen und wieder geleſen. Daß eine ſo wunderliche, ja gefährliche Selbſterziehung die Brüder nicht verdorben, iſt ein großes Glück zu nennen: daß ſie bei Wilhelm ſo ſchöne Früchte getragen, iſt ein Beweis für die geſunde Conſtitution ſeines Kopfes, macht aber jene Methode, die jugendlichen Gehirne mit Bildern zu ſchwängern, um nichts empfehlenswerther.
Inzwiſchen war dieſe Leſeluſt nichts weniger als ein beſtändiges Vertieftſein in die Bücher; die Luſt zu ſpie⸗ len war vielleicht nie lebendiger in einer Kinderbruſt, aber auch ſie bezog ſich auf jene herrſchende Neigung. Zu den eigentlichen lärmenden Uebungsſpielen der Kna⸗ ben im Freien hatte Wilhelm nie große Luſt gehabt, aber


