Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Deklamir⸗Talent des Knaben aufmerkſam, damit der Arme doch auch etwas für ſich hätte, das ihn als der⸗ einſtigen geiſtigen Redner empfehle. Eine ſchöne Anlag 8 zur Mathematik und Muſik zeigte ſich erſt in den ſpi⸗ tern Jahren. Viel hatte jedoch zu jener Vernachläſſi⸗ gung der klaſſiſchen Studien eine zarte Conſtitution und

periodiſche Kränklichkeit beigetragen, und erſt in dem

felſigen Albthale von Blaubeuren, an dem in Schwa⸗ ben berühmten Blautopf(der ſehr romantiſch gelegenen tiefen Quelle des Blauflüßchens) fing ſein Körper mit der Entwicklung zu erſtarken an. Hat nun die gleichſam öffentliche Laufbahn des Knaben nichts Merkwürdiges, ſo iſt die freie Ausbildung ſeines Geiſtes deſto intereſ⸗ ſanter. Von früher Jugend an war eine rege Aufmerk⸗ ſamkeit auf Alles, ein glückliches Auffaſſungsvermögen, und die Gabe, das Aufgefaßte gut wieder zu erzählen, an demſelben auffallend, und wenn dieſes ſchöne Talent weniger gewürdigt und gepflegt wurde, als daſſelbe ver⸗ dient hätte, ſo trug zum Theil unſer Erziehungsſyſtem die Schuld, welches das poſitive Lernen, namentlich der alten Sprachen, zur Hauptſache macht.

Eine unbegrenzte Wißbegierde, die ſich vorzüglich durch das Verſchlingen von Büchern jeder Art äußerte, theilte er mit dem älteren Bruder, deſſen Beiſpiel ihn wohl noch früher dazu verführt haben mag, als er von ſelbſt varauf gekommen wäre. Auffallend aber war ſchon. im zehnten und elften Jahre ſein Hang zu den Gebil⸗ den der Phantaſie. Während die meiſten Knaben in die⸗ ſem Alter ſich zur Geographie, Reiſebeſchreibungen, Technologie und dergleichen hingezogen fühlen, war ihm