mand etwas davon geahnet hätte. Vielmehr galt Wil⸗ helm Hauff von der Zeit an, wo man an den Geiſt des Kindes Anſprüche macht, zwar für einen liebenswürdigen, ſanften, aber keineswegs für einen talentvollen Knaben. Seine Laufbahn durch die Klaſſen der„Schola anato- licà“* zu Tübingen war durchaus nicht glänzend, und er verlor in dieſer Periode, beſonders durch die Verglei⸗ chung mit dem ältern Bruder, der Sprachentalent und Gedächtniß vor ihm voraus hatte. So kam es, daß, während jener ſeinen klaſſiſchen Schulſack ſchon beinahe gefüllt hatte, er mit ziemlich mittelmäßigen Kenntniſſen in die Kloſterſchule zu Blaubeuren aufgenommen wurde. Sehr bezeichnend für die Richtung, die ſein Geiſt ſchon frühe genommen hatte, erſcheint das Zeugniß, das der Rektor ſeiner Schule, ein ſehr eifriger Schulmann, der manchen trefflichen Lateiner gebildet hatte, und über⸗ haupt die Geiſtesgaben ſeiner Schüler in dieſer Beziehung herauszukennen und zu wecken wußte, unſerem Hauff in das ſogenannte Landexamen,— wo die zum Studium der Theologie beſtimmten Jünglinge, die in eines der niederen theologiſchen Landesſeminarien aufgenommen werden wollen, geprüft werden— an die Oberbehörde nach Stuttgart mitgab. In literis, beſonders in der lingua hebraica war Wilhelm ſehr mittelmäßig prädi⸗ zirt, dagegen machte der Rektor auf das überraßphende
* Der für Nichttübinger unverſtändliche Name dieſer Schule kammt von ihrer Lage auf einem in der Stadt ſelbſt befindlichen Vporhügel des benachbarten Oeſterberges, den unſere lati⸗
niſirenden, oder vielmehr gräciſirenden Voreltern den Mons
anatolicus nannten.


