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Tante und Nichte
Entstehung
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347 bewußten Triebe weiblicher Sittſamkeit ihr Ge⸗ wand, und drehete den verhaͤngnißvollen Schluͤſ⸗ ſel ſo bebend, und daher ſo gewaltſam, daß er aus dem Schloſſe und klingend zu Boden fiel. Die Thuͤren ſprangen auf, und Johanna ſtand auf der Schwelle ihres Gluͤckes, dem Heilig⸗ thume ihres Herzens. An ſeinem Schreibtiſche ſaß Sardino, und ſah mit ſtraͤubendem Haar, das weſenloſe Bild ſeiner Liebe vor ſich erſcheinen, wie beſchworen in der Geiſterſtunde: denn drau⸗ ßen ſchlug es eben zwoͤlf Uhr. Johanna glich einem lieblichen Phantom. Das weiße Nacht⸗ gewand, worauf die blonden Flechten lang her⸗ abfielen, der entfaͤrbende Schein des Lichtes, lieh ihr ein aͤtheriſches Anſehen.

Sardino! ſagte die Wittwe, nachdem er ſie wie unglaͤubig und doch entzuͤckt angeſtarrt: ſo finden wir uns doch noch einmal wieder? Sie laͤchelte wie eine Selige. Er ſtuͤrzte zu ihr hin, und betaſtete die geliebte Geſtalt, als fuͤrchte er, der holde Trug koͤnnte unter ſeiner Beruͤh⸗ rung verſchwinden. Aber unvermeynt hielt er