346—
zuͤndete ein Licht an, die Lampe wollte verloͤ⸗ ſchen— und ging auf Socken in das andere Zimmer, ſich auf das elaſtiſche Sopha zu betten. Sie lag und lauſchte, hier war es viel heimlicher. Es kam ihr vor, als fluͤſtere es in ihrer Naͤhe— es ſind die Stimmen der Luft, dachte ſie, und horchte ſchaͤrfer wider Willen.„Johanna!“ rief es jetzt laut, mit Pathos, und einem Tone, der tief durch ihre Seele drang. Ein Froͤſteln rieſelte durch ihre Glieder: denn der Wind ſpricht nicht mit menſchlicher Zunge.„Wer ruft mich?“ fragte die Wittwe angſthaft leiſe, und ſchmiegte ſich furchtſam in ſich ſelbſt. Und: „Johanna!“ erſcholl es wieder und wieder, fal⸗ lend und ſteigend, im rhythmiſchen Ausdruck der Leidenſchaft, der Sehnſucht und des Schmerzes. Der Strom der Begeiſterung rauſchte deutlich in ihrer Naͤhe, ihr Nahme floß in ſchoͤnen Ver⸗ ſen— der Schall ſchien aus dem Schranke zu kommen. Die Wittwe hielt nicht laͤnger an ſich. Sie trauete ihren Sinnen kaum.„Allmaͤchti⸗ ger Gott! ich habe wohl das Fieber?“ ſagte ſie zaͤhnklappend, ſtand eiligſt auf, ordnete im un⸗


