338
ich gekoſtet, war auch der Kelch den ich taͤglich leerte, mit Gallen und Wermuth gefuͤllt. Ich bat ihn, daß er ausziehen, mich meiden, und— meinem Schickſale uͤberlaſſen moͤgte. Er ver⸗ ſprach es mir, und hat Wort gehalten; ach!— nur zu ſehr!e Die Wittwe verſtummte im Schmerze vergeſſen worden zu ſeyn.
„So haben Sie einander nicht wieder ge⸗ ſehen?« fragte der Syndikus, und unterdruͤckte ſeine Meynung, daß es gut geweſen waͤre.
„Niemals!“ antwortete die Wittwe:„er verließ bald darauf die Univerſitaͤt, und nie habe ich von ihm gehoͤrt.“
„Es iſt noch nicht aller Tage Abend“— wagte der Syndikus zu entgegnen. Da ſchwebte ein trauriges Laͤcheln uͤber die ſchoͤnen Zuͤge der Wittwe, ihre Wange brannte wie Abendroth, und ſie ſprach:„dieſe Freude iſt mir wohl unter⸗ gegangen fuͤr immer, und die Kraft zur Hoff⸗ nung iſt mir gebrochen. Ich ſehne mich nur nach Schutz und Ruhe; aber einſam koͤnnte ich nicht ſeyn, weil ich mein Lebelang allein geweſen bin.“ Sie ſagte dieſe letzteren Worte mit leiſer Stim⸗
„


