23
die das verdruͤßliche Verhaͤltniß dieſer Ehe ge⸗ gen ihn erheben koͤnnte. Sie begriff eben ſo raſch, daß er als Gatte dieſer Frau zu bedauern waͤre, und der ſtille Entſchluß, ihn durch die gefaͤlligſte Zuvorkommenheit ſchadlos zu halten, gegen die Unbill widerſinniger Launen, unter denen ſeine Ruhe leiden muͤßte— bildete im Nu eine Oppoſition gegen die Tante in ihrer weiblichen Seele.
Nach einer kurzen Unterhaltung entfernte ſich der Pupillenrath, weil Geſchaͤfte ihn abrie⸗ fen, und kaum hatte er die Thuͤre hinter ſich zugezogen, als die bis dahin ſtumme Zunge ſei⸗ ner Frau ſich loͤſete. Sie ſprach:„ſein Pu⸗ pillenrath, womit er ſo groß thut, macht mich wirklich zu lachen: denn ich denke daran, wie oft die hochweiſe Majorennitaͤt ſich in großen oder kleinen Verlegenheiten befindet, denen die Frau abhelfen muß.— Unſer Geſchlecht iſt das wahre Pupillen⸗Collgium, wenn auch nur mit Sitz und Stimme auf dem Stuhle der Sorgen, und im Vereine der Verlegenheit und der Noth. Die Maͤnner genießen den Ruhm und haben


