315 Thranen vergoß,— fuͤhrte ihn zu der Dame Schlafzimmer.
Hier lag auf atlasnen Decken das ehrfuͤch⸗ tige Weib und rang mit dem Tode; ihr gei⸗ ſterbleiches Anſehen ſtach ſchreckend gegen das los herabfallende, rabenſchwarze Haar ab.
„Ihr wolltet die Glorie meines Gluͤckes nicht nachſagen; wollt Ihr das Elend meines Todes in Erinnerung bringen?“ ſagte ſie, als er ſich ihrem Bette nahete und den Segen uͤber ſie ſprach.„In der ganzen Fuͤlle meines Stolzes ließ ich Euch rufen, um Euch zu zeigen, wie eine Frau ſtirbt.— Im Anfange widerſtand ich ihm kraftvoll,— that ich das nicht, Maͤd⸗ ſchen?— Nun aber, nun iſt der Tod— der Staͤrkere.“
So verwirrt der Prieſter auch war, ſprach er doch einige Gebete und deutete auf die Nothwendigkeit ihrer Beichte, ſo daß ſie ihrer Kirche Sakramente empfangen moͤgte. „Nicht alſo,“ ſprach ſie,„das Leben iſt eine Mummerei und der Tod nicht minder.— Ich hatte Alles, was eines Weibes Herz ſich wuͤnſcht— Rang, Reichthum, Macht, Ge⸗


