„Tosca!“ rief Sigismund und fiel vor ihr auf die Knie.
Sie trat zu ihm heranz ſie blickte ihn feſt an, legte feſt ihre beiden Hände auf ſeine Schultern, als ob ſie ihn damit zu Boden drücken wollte, und ſagte mit feſter Stimme:
„Sigismund Forſter! Du fragteſt mich, ob ich Dich lieben köͤnnte. Siehl ſo tief, ſo ſtark, ſo unauslöſchlich ich Dich geliebt habe— ſo tief, ſo ſtark, ſo unauslöſchlich ver⸗ achte ich Dich.“
Langſam ging ſie in ihr Zimmer. Sigismund und Ignaz wechſelten einige Worte. Dann ging Sigismund herauf. Ein Brief von Agathen lag auf ſeinem Schreibtiſch. Er er⸗ brach ihn mechaniſch, gedankenlos; ihm war, als habe er mit der Welt und dem Leben abgethan, als ſei er begraben unter Toscas Verachtung. Agathe ſchrieb:
„Ich habe ruhig werden wollen, um ohne Zorn und ohne „Uebereilung den letzten Schritt zu thun, den, der uns trennt, „und den Sie gewiß von mir erwarten. So lange ich glück⸗ „lich war, habe ich mich über Ihre Gefühle für mich täuſchen „können; jezt, da ich es nicht mehr bin, kann ich es nicht. „Sie haben mich nie geliebt, nie mit dem ganzen Herzen, ſo „wie Sie lieben können, geliebt. Das iſt nicht Ihre Schuld, „und nicht die meine, die Herzen liegen in Gottes Hand. „Daß Sie ſich mit mir verlobten, war Ihre Schuld, und die „vergeb' ich Ihnen aus voller Seele. Gott ſegne Sie— „denn es iſt meine feſte Ueberzeugung, daß Sie ſeinen beſten „Segen verdienen. 4
Agathe Gertner.“


