Sigismund ſtand grade in die Höhe auf und ſagte ge⸗ laſſen:„Herr Graf, Sie ſind ein Nichtswürdiger.“
Tosca warf einen prächtigen Blick von oben herab auf Ignaz und ſprach mit unſäglicher Verachtung:„Ah, Sie kommen von Ihrem Rendezvous.“
„Herr Regierungsrath,“ ſagte Ignaz,„darauf werde ich Ihnen zu ſeiner Zeit antworten.“ Dann wandte er ſich zu Tosca:„Nein, ſchöne Tante! die Anonymität würde Sie nicht überzeugen; aber das eigene Geſtändniß des Regierungs⸗ rath Forſter ſoll es. Fragen Sie ihn doch, ich bitte, ob er ſich nicht Mitte Dezember vorigen Jahres mit Fräulein Agathe, einzigen Tochter der verwittweten Juſtizräthin Gert⸗ ner verlobt hat, und ob ſeine Hochzeit nicht auf die erſten Tage des April angeſetzt iſt, und ob ſein Schwager, der Doctor Friedrich zu Magdeburg, etwa dieſe Geſchichte nur erfunden hat. Ich würd' es Ihnen gönnen, Herr Regie⸗ rungsrath,“ ſagte er mit dem bitterſten Hohn zu dieſem, „wenn Sie jezt: Lügner! ſprechen dürften.“
Während Ignaz ſprach, hatte Tosca ihn ſo ſcharf und durchbohrend angeſehen, als wolle ſie in den Grund ſeiner Seele dringen und dort die Wahrheit leſen. Es war etwas in ſeinem Ausdruck, das wie vollkommne Ueberzeugung klang, daher warf ſie einen faſt flehenden Blick auf Sigismund, um ihn zu beſchwören, Ignaz mit einem Worte zu wider⸗ legen.
Sigismund ſtand da, wie in die Erde gewurzelt, wie verſteint, nur lebend in dem Blick, den er auf Tosca heftete. Als ſie dieſem Blick begegnete, ſchrie ſie hell auf. Sie fühlte, daß Sigismund das Wort: Lügner! das ſie hofte und er⸗ ſehnte, mit einem andern Ausdruck geſagt haben würde.


