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es Wehmuth? ſie wußte es nicht. Aber ſie dachte, indem ſie Sigismund anblickte, daß er ihrem ganzen Leben die unwan⸗ delbare Richtung gegeben habe.
Sigismund wurde ruhiger bei ihr. Seine Niedergeſchla⸗ genheit wich, die Beklommenheit ließ nach. Er fühlte ſich neben ihr wie auf dem Gebirg, in einer freiern, reineren, herzſtärkenderen Atmoſphäre. Unabläſſig wollten ihm die
Worte, wie glücklich er ſei, welche huldigende Liebe er für ſie
empfinde, über die Lippen gleiten. Er dräͤngte ſie gewaltſam Zurück. Ihm ſchien, als ſei er noch nicht werth, ſie auszu⸗ ſprechen. Aber dieſer verhehlte Kampf machte ihn ſchwer⸗
müthig, und als er jene Thräne in Toscas Auge ſah, warf er zerbrochen und überwältigt beide Hände vors Geſicht, und ſank zu ihren Füßen nieder.
Sie legte ſanft ihre Hand auf ſein Haupt. Es war, als erlöſe ihn die linde Berührung von den ſpröden Feſſeln der Qual. Er ließ die Hände fallen, und blickte zu ihr empor, während ſie zu ihm herabblickte. Magnetiſch ſanken ihre Lippen auf einander; es war ein ſchüchterner, zitternder Kuß, den das Uebermaß und nicht der Mangel an Liebe ſo ſcheu und ſo flüchtig machte.
„Gehen Sie,“ ſagte Tosca mit einer ſo ſüßen Inflexion der Stimme, wie er ſie nie gehört, und ſo ſanft, daß es ihm unmöglich war, ihr nicht zu gehorchen. Als er ſie verlaſſen hatte, als er ſich wiederfand unter dem Himmel voll blitzender Sterne und mit einem Himmel in der Bruſt; da wollt' er ſich beſinnen, wie das Glück über ihn gekommen ſei. Er legte die Hand an die Stirn. Da tauchte es wie ein Blitz in ihm auf, das Wort, welches er einſt im kindiſchen Uebermuth ge⸗ ſagt:„Meine Lippen ſollen verdorren, wenn ſie Tosca Beiron


