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„Ach,“ ſagte Tosca,„wird der klügelnde Verſtand nicht immer behaupten, es ſei nicht der rechte Ort?“
„Wol dem, den die Verhältniſſe in einfache Situationen bringen!“ ſagte Sigismund ſchwer.
„Und was iſt jezt Ihrem Bruder widerfahren?“ fragte Tosca. Sie meinte, es müſſe Sigismund erfriſchen, ſich ihr mittheilen zu dürfen.
„Jezt wiſſen wir nichts Beſtimmtes von ihm. Er ſpricht ſich ſelten aus, und in gewiſſen Fällen nie. Wir haben nur gehört— wie ſich denn das ſo herum zu ſprechen pflegt— und wie wir das nach ſeinen Briefen vielleicht ſchließen dür⸗ fen, daß jezt er von einer heftigen und unglücklichen Leiden⸗ ſchaft ergriffen iſt, die ihm ſeine Stellung, ſeinen Beruf, ja ſeine ganze Exiſtenz unerträglich macht.“
„Mein Gott!“ rief Tosca,„wenn ich aus meinem ſtillen, kühlen, friedlichen Winkel heraus in die Wirbel⸗Eriſtenz ſol⸗ cher Kinder des Sturmes ſehe, wie preiſe ich dann mein Schickſal, das mich nie mit ihnen zuſammen geführt hat! Sie würden mich vernichten oder zerbrechen.—
„Oder auch Sie würden ihnen Ihren Frieden, Ihre licht⸗ volle Klarheit geben, und wie ein Regenbogen in die Gewit⸗ terwelt hineintreten. Einer Seele wie der Ihren begegnet zu ſein, iſt ein unermeßlicher Segen, denn er wird zum Polns⸗ ſtern,— und ſolch ein Glück iſt's, das der Menſch braucht; denn Kind der Stürme oder nicht, Glückskind oder nicht, ſeine umdunkelten Tage und Wege hat Jeder, und da hält es ſchwer, ſich ohne ſolchen Stern zurechtzufinden.“
Er hatte mit ſolchem tiefen Ernſt geſprochen, daß Tosca nicht daran dachte, zu erröthen oder verlegen zu werden. Aber eine Thräne trat ihr ins Auge. War es Freude? war


