küßten.“—„O Thorheit!“ ſprach er zu ſich ſelbſt;„die Fülle des Lebens erſchließt ſich.... und jezt erſt recht!“—— Er ſuchte in der Oper ſeinen Schwager auf und brachte den Abend mit ihm zu.
Tosca hätte ſehr gewünſcht, allein und ungeſtört bleiben zu dürfen; aber ſie wollte Ignaz nicht abſichtlich kränken und ihn abweiſen laſſen, wenn er nach ſeiner Gewohnheit käme, um ihr guten Abend zu wünſchen.
„Mein Gott!“ rief er entgegen, als er kaum ins Zimmer getreten war,„was iſt Ihnen widerfahren, ſchöne Tante, Sie ſehen ſtralend aus!“
„Ich habe geleſen,“ ſagte ſie ein wenig verlegen und legte das Buch fort, welches ſie in der Hand hielt.
„Wenn Sie geleſen haben, ſo iſt’s gewiß zwiſchen den Zeilen geweſen— was allerdings manchem Autor öfter wi⸗ derfahren mag, als ihm lieb iſt.“
„Aber Sie ſelbſt, Ignaz, ſehen ungewöhnlich heiter aus,“ ſagte Tosca.
„Ich hab' auch geleſen, meine ſchöne Tante.“
„Und darf man fragen, welchen Autor?“
„Einen anonymen.“
„So? anonym? iſt denn das heut zu Tag noch Mode? ich meinte, in unſerm vom quasi beherrſchten Jahrhundert ſei man lieber pſeudonym.“.
„Briefe erlauben ſich noch zuweilen die Anonymität.“
„Ach, Ignaz! einen anonymen Brief haben Sie bekommen? was ſteht darin? darf ich ihn nicht ſehen?“.
„Es iſt ein Rendezvous“—
„Und das plaudern Sie aus!“ rief ſie, ſcherzend mit dem Finger drohend.„Es iſt gewiß, daß die Männer ihr Glück


