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den Gemal war kein herzbrechendes Weh, und ſie ſuchte auch nicht es vor ſich ſelbſt als ein ſolches darzuſtellen, aufrichtig, wie ſte war. Daher kannte ſie im Grunde nur Aeußerlich⸗ keiten, peinliche Verhältniſſe zu Andern etwa, welche das Herz bedrücken konnten, und theilnehmend fragte ſie Sigis⸗ mund, ob er vielleicht in und mit ſeiner Familie Unannehm⸗ lichkeiten habe. Ihm war zu Muth, als müſſe er vor ihr niederknien und ihr Alles ſagen, ſeine Liebe zu ihr, ſein Ver⸗ hältniß zu Agathen, das doch keins mehr war.„Aber nein!“ dachte er;„wenn ich frei bin— dann will ich ſprechen, von Lieb' und Leid, von Allem! weshalb ſoll ich ſie jezt aus ihrem Himmel voll Frieden in meine Unruhe hinabziehen?... und wie lange kann es dauern? zwei, drei Tage vielleicht, ſo bin ich frei.“ Er ſagte zu Tosca:
„Nein, gnädige Frau, Unäannehmlichkeiten hab' ich nicht in meiner Familie, und auch nie gehabt. Wir ſind unſer fünf Geſchwiſter und die Mutter, Alle vollkommen einig unter einander; aber Sorgen hat man doch, wo ſo Viele ſind, an deren Wol und Weh man Theil nimmt. Ich habe zwei Brüder; der jüngſte iſt ein Glückskind: der würde vom Thurm herunterfallen und wolbehalten, wie eine Katze, auf ſeinen Füßen auf dem Boden anlangen; das iſt ein lieber guter un⸗ bedeutender Menſch, der es aber doch einmal zu etwas ganz Tüchtigem bringen mag. Der Andere hat große Gaben, Geiſt, Schönheit, Charakter— aber kein Glück“.—
„Und darüber wundern Sie ſich?“ rief Tosca;„wo die Gaben ſind, iſt nie das Glück! In großen Gaben iſt immer ein gewiſſer Stolz, der zum Glück zu ſagen ſcheint:„Geh', ich brauch' dich nicht.“ Wo ſie fehlen, da hat das Glück ſo recht freie Hand, und es liebt, wie alle Despoten, Alles für


