„Ich ſage Dir, ſie iſt keine Schönheit.“
„Nun, im Vergleich zu der faden Schönheit von.... ge⸗ wiſſen Blondinen.—
„Wenn Du etwa Tosca Beiron meinſt—
„Ja, grade ſie mein' ich!“ brach Sigismund aus.
„So muß ich Dir ſagen,“ fuhr Friedrich gelaſſen fort, „daß Du Dich irrſt. Jenes kleine Mädchen, ſo munter und nett es auch iſt, ſieht neben ihr aus.... etwa wie ein ſchwar⸗ zes Hühnchen neben einem weißen Pfau.“
„Der Vergleich iſt gut und paſſend!“ rief Sigismund laut lachend;„ja, ein Pfau— das iſt ſie.“
„Ein zarter, edler, ſeltner, weißer Pfau— ganz gewiß!“ beharrte Friedrich.
„Eure Hühnerhof⸗Vergleiche für ein Paar hübſche Mäd⸗ chen wollen mir gar nicht behagen,“ rief Hohenberg.„Komm nur heut' Abend zu Zellers, Freund Sigismund, dann kannſt Du doch wenigſtens mit Kenntniß der Dinge reden und Dich überzeugen, ob die kleine Fremde wirklich Deine bereitwillige Bewunderung rechtfertigt.“
„Nein,“ ſagte Sigismund,„ich mag nicht! Ich könnte mich in ſie verlieben, und das würde mir grade jezt ſehr un⸗ bequem ſein— abgeſehen davon, daß man immer Verdruß und Aerger in Hülle und Fülle dadurch hat.“
„Aerger und Verdruß? in Gottes Namen,“ ſagte Hohen⸗ berg;„die gehören nun einmal dazu, wie Senf und Pfeffer zum Salat, der ohne das gar nüchtern und kalt ſein würde. Aber was verſtehſt Du denn eigentlich unter unbequem?“
„Etwas, das mich ſtört und mich von den Gedanken ab⸗ bringt, die ich haben mögte und ſollte.“


