Druckschrift 
Sigismund Forster / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

weilt fort, weil ich mich nicht mit ihr beſchäftige, ſprach er heimlich;ich muß nur tanzen! Aber mit wem denn? wie ſie Alle, Alle ſo unhübſch, ungraziös, unbedeutend neben ihr ausſehen! Gleichviel! getanzt muß werden!

Er wählte aufs Gerathewol eine Tänzerin. Es war die junge Perſon, welche er auf dem vorigen Ball Grashüpfer genannt, und er trat mit ihr zum Tanz an er wußte ſelbſt nicht, zu welchem Tanz. Es war eine Francaiſe, und Tosca tanzte ihm gegenüber. Alles ging charmant! Sigismund tanzte mit einem Ernſt, als ob es gelte, ein Examen des Tanzes zu beſtehen, und wendete nicht eine Sekunde den Blick von ſeiner Tänzerin ab. Tosca tanzte wie immer; nur er⸗ ſchien ihre Geſtalt noch graziöſer, ihre Haltung noch ſchwe⸗ bender neben den ſpringenden und beweglichen Sätzen des kleinen Grashüpfers. Jezt kam eine Tour im Contretanz, wo Tosca und Sigismund einander die Hand geben mußten, und da konnte er nicht vermeiden, den Kopf zu ihr zu wenden. Er that es mit einem peinlichen Gefühl, denn er wußte wol, daß ſein Benehmen gegen Tosca nicht ſchicklich ſei. Hätte ſie ihn ſpöttiſch oder nur ſchelmiſch angeſehen, ſo würde er ſich dennoch in ſeinem guten Recht ihr gegenüber gefühlt haben; allein der traurig ernſte Ausdruck ſeines Geſichts frap⸗ pirte ſie, und ſie ſah ihn ſanft an, mit großen erſtaunten Augen, die zu fragen ſchienen: Aber was fehlt Dir denn, daß Du ſo verändert biſt? Das rührte ihn. Er ſchlug un⸗ willkürlich die Augen nieder, um ſie nicht freundlicher anzu⸗ blicken, als er wollte, und ſeine Hand zitterte. Es lagen nur die Spitzen von Tosca's Fingern in dieſer Hand; allein ſie fühlte es doch!... Da wurden ſie getrennt durch eine

neue Tour. 2*