röslein, und das iſt für ein Mädchen die Hauptſache;— denn mit ihrer Schönheit verzaubert ſie uns Alle, und daran liegt jedem Mädchen mehr, als an ihren vermoderten Ahnen. Ein Beiſpiel iſt Tosca's Schweſter.“
Sigismund ſchlug ein ſchallendes Gelächter auf.
„Lieber Bruder!“ rief er,„der guten Frau, ſo unſchön, ſo geiſtlos, und ich glaube gar ein wenig bucklich, iſt wol Niemand ſonſt zu verzaubern vorgekommen, als der würdige Profeſſor Zeller. Frag' einmal Fräulein Tosca von Beiron, ob ſie wird einen Arzt heirathen mögen.“
„Ich ſehe nicht ein, weshalb ſie grade für einen Arzt eine beſondere Liebhaberei haben ſollte, wenn ich nicht etwa dieſer Glückliche wäre. Das, ja das würde mir ganz begreiflich ſein,“ entgegnete Friedrich.„Uebrigens aber— wer denkt denn gleich ans Heirathen? Man plaudert mit einem Dor⸗ nenröslein, man tanzt mit ihm, man neckt es, man bekommt ſchnippiſche Antworten und— wenn's Glück ungeheuer gut iſt.... könnte man wol gar einen Kuß erobern”“...—
„O,“ rief Sigismund ſehr heftig,„jezt könnte mir dieſe Tosca einen Kuß geben wollen— ich nähm' ihn nicht.“
„Holla! Holla!“ rief Friedrich,„ein Kuß iſt immer eine ganz allerliebſte Sache, von der man beileibe nicht ſo weg⸗ werfend reden darf, Freund Sigismund Forſter, möge er nun bei der Tochter des Großmoguls oder des Scharfrichters zu finden ſein.“
„Und Tosca Beiron wird ihn Dir auch ſchwerlich geben wollen,“ ſagte Hohenberg gleichzeitig.
„Und wenn ſie tauſend Mal wollte!“ rief Sigismund; „ich, Sigismund Forſter, würde nicht wollen! und meine Lippen ſollten verdorren, wenn ſie ſie küßten!“..—


