Druckschrift 
Sigismund Forster / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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Sigismund getanzt. Sie lehnte ſich im Stuhl zurück, be⸗ trachtete ihre Arbeit aus der Ferne, und fand die Theeroſe, die ſie eben geſtickt, ungewöhnlich ſchlecht ſchattirt. Um ihr Werk zu verbeſſern, ſah ſie die wirkliche Theeroſe an, die in ihrem Fenſter blühte. Sie ſtützte ihren Kopf in die Hand, und betrachtete gedankenvoll die zarte Blume. Da glitt ihr Blick auf die Straße hinab. Sigismund Forſter ging vor⸗ über mit einer Mappe unter dem Arm. Er ſchlenderte nur ſo hin, und blickte rechts und links; dabei gewahrte er ſie, und grüßte. Sie dankte erröthend. Dann ſah ſie faſt un⸗ willkürlich, und gewiß ohne ſich Rechenſchaft davon zu geben, nach der Uhr. Es fehlten zwei Minuten an eilf. Er geht alſo hier vorüber in die Vorleſung, und gewiß täglich dachte ſie. Nie war ihr eingefallen, von ihrer Arbeit auf⸗ und nach den jungen Leuten hinzublicken, die, oft nur ihret⸗ wegen, über die Straße gingen. Nie war ihr eingefallen, von ihrem Fenſter aus einen Gruß anzunehmen, oder gar zu erwidern. Aber für Sigismund Forſter machte ſie fortan eine Ausnahme. Täglich ging er um zwei Minuten vor eilf Uhr vorüber, und täglich dankte ihm Tosca für ſeinen beſchei⸗ denen Gruß mit einer ſanften Neigung ihres zierlichen Kopfes. Um zwölf Uhr, nach beendeter Vorleſung, ging er wieder vorüber; auch wol Nachmittags, und jedes Mal ſah ſie ihn zwiſchen ihren Blumen hindurch; aber dann grüßte ſie nicht mehr. Sie dachte: guten Morgen dürfe ſie wol auf dieſe Weiſe ſagen, doch mehr nicht. Sie hätte gern etwas über ihn erfahren, woher er ſei, was er ſtudire; allein es war ihr ganz unmöglich, direct nach ihm zu fragen, erſtens weil es ſie verlegen machte, und zweitens weil ſte nicht wußte wen; denn ins Haus ihrer Eltern kam Niemand von dieſen