„Und der heißt?“ fragte Sigismund geſpannt.
„Dornenröschen! So ſchnippiſch, ſo kurz angebunden iſt mir in meinem Leben kein Mädchen vorgekommen. Es wird ihr zu viel weiß gemacht, und das taugt den Frauenzimmern nichts.“
Das Orcheſter ſpielte den dritten Walzer und Sigismund eilte zu Tosca. Tanz iſt Tanz, meint man, und wenn zwei Perſonen nur Takt zu halten verſtehen, ſo muß es ziemlich einerlei ſein, mit wem man ſich im Saal herumdreht. O mit nichten. Man verſuche es nur einmal beim Gehen! Man nehme nur einmal den Arm und laſſe ſich führen, die Treppe herunter, oder nur über die Straße; welch ein Unterſchied! Man kann nicht Schritt halten, man wird müde, man wird geſtoßen, der Arm, der Schutz und Stütze ſein ſoll, wird zur
Laſt, zur Unbequemlichkeit; ganz lahm kann man davon wer⸗
den, wenn's lange dauert, und ganz verdrießlich. Und dann ein anderer Arm! Da geht man mit demſelben Schritt, da hat man dieſelben Bewegungen, da paſſen Gang und Haltung ſo genau zuſammen, daß Keiner den Andern genirt, da ſieht der Mann nicht gehemmt und die Frau nicht übereilt aus. Wie viel mehr iſt das beim Tanz der Fall, wo man, von Melodien getragen, gleichſam in höherer Sphäre geht, und folglich durch den Mittänzer ſehr gehoben und ſehr gefeſſelt werden kann.
Sigismund tanzte mit Tosca, als ob er ſie trage.
„Welch eine liebliche ſchwebende Muſik hat dieſer Wal⸗ zer,“ ſagte ſie freundlich. Und es war doch nur eine ganz gewöhnliche Tanzmufik.
Sie machten die oberflächliche Unterhaltung einer erſten Bekanntſchaft, und Sigismund fand, daß Tosca auf keine
N


