Druckschrift 
Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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Ich glaube auch nicht, daß ſie von dem Stoff iſt, aus dem man die großen Leidenſchaften macht. Schmerzliche

Aufwallungen mag ſie haben, aber keinen unvergänglichen

Schmerz. Jeder Schmerz iſt vergänglich, denn wir ſind glücks⸗ bedürftig, und ein Sternchen Glück macht eine ganze Schmer⸗

zensnacht hell.

Das iſt brav! ſo muß man denken bei einundzwanzig Jahren..

Wir ſind ſchon wieder bei unſerer alten Gewohnheit des Disputirens, denn ich behaupte, daß man ſtets ſo denken und nie ſich einbilden muß, mit Schmerz oder Freude die Rechnung abgeſchloſſen zu haben.

Lieber, die Stelle welche vom Blitz getroffen war, blieb den Alten heilig, ſie überbauten, ſie nie, ein Gott hatte ſie berührt. So mein' ich ſolle auch der Menſch das Plätz⸗ chen heilig achten, das in ſeiner Seele vom Blitz verſengt ward. Auf andern Stellen mögen Blumen erblühen und Altäre ſtehen auf dieſer nicht. Es können allerlei Freu⸗ den und Schmerzen kommen, aber die eine, beſeligende aber der eine, vernichtende die kommen nicht wieder, und es iſt gut ſich darüber keine Illuſtonen zu machen.

Die Reſignation ſteht Ihnen ſeltſam, Gräfin.

O, ich bin nicht reſignirt, gar nicht, guter Polhdor! ich mag ja nicht meinen Schmerz tragen, ſondern ich mögte

zu ihm ſprechen: Du ſollſt meine Wonne ſein und mein

Triumph! und vielleicht gelingt es mir. Wenn ich nur erſt ſo viel Kraft gewonnen habe, um unter den ewigen Freiheitsbaum der Poeſie mich zu flüchten dann, Poly⸗

dor, iſt es mir gelungen. 4