7— 236—
Der Baron endete nach drei Tagen des Aufenthalts in Botzen ſeinen Brief an Ildas Mutter:
„Und ſo reiſen wir denn morgen früh mit der armen
„Kranken an den Comer⸗See, wo Ihre Tochter eine Villa „zu bewohnen denkt, die ſie auch im vorigen Sommer „bewohnt hat. Polydor wird nicht lange dort verweilen,
„ſondern nach Rom gehen zu ſeiner Kunſt. Ilda hat
„großes Verlangen nach Stille und Einſamkeit; gar keins „nach der Geſellſchaft. Ach, theure Gräfin, die Welt iſt „langweilig, kalt und ſchwerfällig, zuweilen grauſam, wie „ein Maſchinen⸗Räderwerk. Die lieblichſten Erſcheinun⸗ „gen gehen darin zu Grunde. Ondine zerbricht; Ilda „flieht. Ich bin ganz trübſinnig, und die Erde iſt doch „ſo ſchön.“
Seitdem ſind zwei Jahre vergangen. Polydor ſchreitet fort auf ſeiner glänzenden Laufbahn, und die Kunſt iſt ſeine
Geliebte Ildä lebt in Italien und der Schweiz, bewundert,
gefeiert, ſorgſum den Purpurmantel über ihrem Herzen zu⸗ ſammenhaltend. Ondine ſchlummert an der Pyramide des Ceſtius. Regine ſteht im Begriff, eine glänzende Vermäh⸗ lung aus herzlicher, gegenſeitiger Neigung zu ſchließen. Und Otto?— Otto macht ſicher und ruhig ſeinen Weg durch die Welt; der Mann, der ſich ſelbſt beherrſchen kann, iſt geſchaf⸗ fen um ſie zu beherrſchen.
——
Gedruckt bei J. Petſch in Berlin.


