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„Ein Weſen wie Sie iſt nicht von Sich Selbſt nöch von Andern zu berechnen; es überraſcht immer; es wird auch jezt wieder eine neue Wendung machen, die es noch ſchöner, noch vielfältiger darſtellt.“
Ilda entgegnete:„Ich weiß wol, daß wir Statuen glei⸗ chen, die der Cicerone langſam auf ihren Poſtamenten dreht, damit gehörig ihr ſchönes Profil und ihr ſchöner Rücken be⸗ wundert werde; aber ich bin's entſetzlich müde dieſe Wendun⸗ gen zu machen, denn an der Bewunderung liegt mir nichts, und ich bemerke, daß man dabei etwas aus dem Gleichge⸗ wicht, und in ſo heftige Schwankungen geräth, daß die Welt mitzuſchwanken ſcheint. Und ich verſichere Sie, das iſt ein unbehagliches Gefühl.“
„Sie werden ſagen wie einſt: ich will mit meinem Schmerz fertig werden— dann hören alle Schwankun⸗ gen auf.“
„O, ich will nichts mehr! ich will auch nicht ihn lie⸗ ben, ſondern nur frei ſein, ein Lüftchen im Aether, ein Tro⸗ pfen im Meer!— Ich denke immer an den alten Götz von Berlichingen, der ſagt: Wen Gott niederwirft, richtet ſich nicht ſelbſt wieder auf. Mich hat Gott niedergeworfen. Ich glaubte mich unverwundbar, wie Achill; ich glaubte der Pfeil des Schmerzes würde von mir abprallen; dieſe Zuverſicht machte mich vermeſſen und ich glaubte mich unwiderſtehlich. Das war Hochmuth und ich bin von ihm geheilt— aber ich habe den Glauben an meine Kraft verloren.“
Sie kamen nach Nürnberg, von der Ilda zu Polydor als von ihrer Lieblingsſtadt in Deutſchland geſprochen, und er fand, daß ſie dieſen Vorzug verdiene. Er verlebte zwei ſelige Tage zwiſchen den Gebilden voll Kraft, Anmuth und


