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Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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Zwölftes Kapitel.

Sie reiſ'ten durch den erwachenden Frühling dem hei⸗ tern Süden zu; aber Keiner war in wirklich heiterer Stim⸗ mung. Polydors Leidenſchaft für Regine war wol erloſchen, wie die Rakete, die feurig zum Himmel ſteigt, und wenn ſie ihren Kulminationspunkt erreicht hat, todt zur Erde fällt; aber es war doch, wie Ilda ihm einſt geſchrieben, eine Saite in ſeinem Herzen geſprungen; dieſe Saite war das Bewußt⸗ ſein der fürchterlichen Täuſchung über ſeine eigene und die fremde Liebe. Wenn das Lüge ſein konnte, wo werd' ich Wahrheit finden? und welch ein vernichtender Gedanke, durch die Sehnſucht nach der Wahrheit getrieben, vielleicht von einer Täuſchung in die andere zu fallen! Nein nichts lie⸗ ben, als die Kunſt, die lügt nicht, die quält nicht, die lohnt mit himmliſchen Entzückungen dem der ihr huldigt.. Aber keine Frauen mehr! So dachte Polydor.

Auf Ilda lag eine unbeſiegliche Traurigkeit. Sie war zuweilen ſehr munter, ſcherzend, geſprächig aber von einer zu gewaltſamen Lebhaftigkeit. Sie warf ſich in die Außen⸗ welt, Zerſtreuung ſuchend, Betäubung erſehnend; ſie wollte ſich unterhalten, um die unſägliche Leere in ihrem Buſen auszufüllen, und daß ihr dies mühſame Streben doch miß⸗ lang, daß ſie die ganze Kraft ihres Seins aufbieten mußte,