Druckschrift 
Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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Als die Kammerfrau in der Frühe eintrat, war ſie nicht wenig überraſcht die Thür geöfnet und den Fußteppich mit zerſtreuten Blumen bedeckt zu ſehen. Das iſt ein wunder⸗ licher Einfall vom Gärtner, dachte ſie. Ilda ſah die Blu⸗ men, vermißte die Locke, das Taſchentuch aber ſie wußte nichts. Ahnen mogte ſie die Wahrheit. Um ſechs Uhr ertönten zwei luſtige Poſthörner. Der Baron und Polydor fuhren in zurückgeſchlagener Kaleſche voran. Erſterer blickte nach Ottos Fenſter hinauf, ohne ihn zu erſpähen, der hinter dem zugezogenen Vorhang ſtand. Ilda folgte im andern Wagen, aber er war verſchloſſen und ihr Schleier herab⸗ gelaſſen, damit Niemand die Thränen ſehen möge, die in Strömen aus ihren Augen floſſen. So fuhr ſie unſichtbar an ihm vorüber, wie eine verhüllte Gottheit. Und das ſollſt Du mir bleiben, Engel! ſagte er laut, als der Wagen ver⸗ ſchwunden war, und legte Ildas Taſchentuch auf ſeine bren⸗ nenden Augen.