Druckschrift 
Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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Decke, rein, weich und ſorglos, wie weiße Lilien; wenn auch Herz und Seele die Hände wenigſtens hatten nie mit dem harten Leben gerungen. Er bog ſich nieder und küßte loſe, leiſe die Hand. Dann blickte er im Zimmer umher Al⸗ les ſo einfach, ſchneeweiß, ruhig, wie die Zelle einer Nonne. Er wollte etwas mitnehmen aus dieſem Zimmer, was ſie oft berührt oder in Händen gehabt. Da ſtanden ihre kleinen ſchwarzen Schuhe; auf dem Tiſch vor ihrem Bett lag ein Taſchentuch das nahm er, ihr Name war darin geſtickt. Aber, o Himmel! wenn er das könnte! warum nicht? ſie ſchlief ganz feſt. Ihr lockiges Haar war in Zöpfen um ih⸗ ren Kopf gelegt, wodurch Stirn und Schläfen, jung und friſch wie bei einem Kinde, frei waren; aber eine Locke war nachläſſig nicht mit aufgeflochten, hing an der Wange herab und dieſe Locke wollte er haben. Zwiſchen den kleinen Geräthſchaften auf der Toilette griff er behend eine Scheere heraus und ſchnitt mit ſicherer leichter Hand die Locke ab. Nun hatte er Alles!... Nun konnte er, mußte er gehen!... Einen Augenblick flog ihm der Gedanke durch den Sinn: Wecke ſie auf, ſie liebt dich ja, du biſt ein Thor daß du es nicht thuſt oder ein Wahnſinniger wenn du es thuſt! Das war der Schluß. Er drückte die geballte Hand vor die Stirn, küßte noch einmal ihre Hand, und verließ das Ge⸗ mach, ohne ſich umzublicken. Die Thür zwiſchen beiden Zimmern ſchloß er nicht, um Geräuſch zu vermeiden. Als er die in den Garten führende Glasthür hinter ſich zu⸗ drückte, erwachte Ilda und rief, ſei es in Folge eines Trau⸗ mes, ſei es daß ſein Name ihr erſter Gedanke war: Otto! Otto! Aber er hörte ſie nicht und eilte davon durch die verſchwiegene Nacht.