ſerei, glaub' ich— aber damit kann man Alles wagen! Er ging auf und ab wo Ilda gegangen war, und pflückte Blu⸗ men gedankenlos, oder um die Zeit hinzubringen. Das letzte
Viertel des Mondes ſchwebte langſam und melancholiſch am
Himmel empor, und hing als Nachtlampe der Erde zwiſchen
den Baumwipfeln, die ſich unter dem ſilbernen Nachen wie
dunkle Wellen hin und her bewegten.
Otto öfnete die Glasthür und ſtand in Ildas Zimmer. Der Teppich verhehlte jeden Schritt. Er warf ſich auf den breiten, niedrigen Divan und lauſchte. Todtenſtille herrſchte im ganzen Schloß; es war wie ausgeſtorben. Nun, dachte er, ich weiß wol daß es Raſerei iſt— aber was thut's denn!— Er ſtand auf und legte die Hand an das Thür⸗ ſchloß des Nebenzimmers. Himmel, wenn ſie erwachte!— ſein Arm ſank kraftlos herab und er hörte ſein Herz klopfen. Dann ſagte er feſt: Sie ſoll aber ſchlafen;— und öfnete vorſichtig. Ilda ſchlief. Das Nachtlicht warf einen matten Perlenglanz, aber zugleich tiefe Schatten auf ihr Geſicht, das, nicht durch die Augen gelichtet und erheitert, unſäglich traurig war, der Mund ſo melancholiſch, und vollends die breiten, langbewimperten Augenlider! Im Schlaf trägt das Geſicht das Gepräge der gewöhnlichen Seelenſtmmung. O mein Engel, dachte Otto bittend, wenn Du mich anlächeln könnteſt!— Und ſelbſt im Traum ſeinem Wunſch folgend, glitt über ihre Züge ein zauberhaftes Lächeln, wie der Sil⸗ berblick über das zerſchmelzende Metall. Sein Herz drohte zu brechen in Wonne und Wehmuth. Unhörbaren Schritts nahte er ſich und blieb am Fußende des Bettes ſtehen, ernſt, ſchwermüthig, ſchön wie ein Genius, der den Schlummer der geliebten ſtillen Geſtalt bewacht. Ihre Hände lagen auf der


