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Otto war der Auffoderung einiger guten Freunde ge⸗ folgt, die höchlichſt dadurch überraſcht waren. Sie hatten ſicher geglaubt, er werde den letzten Abend vor Ildas Ab⸗ reiſe in Ruhenthal zubringen, und ihn nur aus Neckerei oder Zufall eingeladen. Sie hätten ihn gern gefragt— aber er imponirte ihnen ſo, daß Keiner dieſe Verwegenheit hatte. Leiſe Anſpielungen überhörte er mit einem Gleichmuth, als ob ſie ihn ſo wenig wie den Kaiſer von China angehen könnten. Er war in der Unterhaltung ganz wie gewoͤhnlich, vielleicht etwas ironiſcher. Das geſchärfteſte Auge— das der Liebe ausgenommen, wie ſich von ſelbſt verſteht— hätte nicht ſeinen Seelenzuſtand erſpäht.
Es war Nacht, als er heimkehrte. Die Stille, die Fri⸗ ſche, die Einſamkeit, weckten die heiße, den ganzen Tag zu⸗ rückgedrängte Sehnſucht, Ilda noch einmal, aus der Ferne wenigſtens, zu ſehen, ihre Stimme zu hören!— er ging nach Ruhenthal. Der Portier am Gitter des Parks öfnete gern, obgleich nach zehn Uhr Abends kein Beſuch mehr er⸗ laubt war, und verſprach auch, nach einem freundſchaftlichen Händedruck, das Gitter offen zu laſſen. Otto ging zuerſt auf den Thurm am Fluß, wo Ilda mit jener heiligen Zu⸗ verſicht, die nur eine edle Seele haben kann, geſagt hatte:
„Wir lieben uns.“ Doch bald durchſtreifte er die Alleen
und ſtand vor dem Schloß. Der Salon war dunkel, ein⸗ zelne Fenſter erleuchtet; es hatten ſich alſo die Bewohner in ihre Zimmer zurückgezogen. Er ging nach der andern Seite, die Ilda bewohnte. Da war Licht und die langen Glasthü⸗ ren, die in den Blumengarten führten, ſtanden geöfnet. Große Etageren mit Blumentöpfen bedeckt, waren in dieſem Gärt⸗ chen zwiſchen den Beeten und ſeltenen Geſträuchen gruppirt, 3 14*.


