unerhörte Spannung ihres Weſens ließ nach, die Kraft brach zuſammen, man mußte ſie ins Bett tragen, es wäre ihr un⸗ möglich geweſen den Fuß zu heben, die Hand zu regen— ſie lag wie in Starrſucht.
Ein heftiges Fieber löſ'te dieſen Krampf und rettete ſie vielleicht vor Geiſteszerrüttung. Es verging eine Woche be⸗ vor ſie ſich erholte. Nun fing ſie wieder an nachzudenken über den einen Gegenſtand: ſie mußte Polhdor wiederſehen, wiſſen, daß er ſie noch liebe, ihm ſagen, daß ſie ihn liebe. Sie mußte ihn aufſuchen, ihm begegnen. O Gott, wie war die Welt ſo groß und weit. Aber er wollte ja nach Italien. Bei Botzen lebten ſeine Eltern, die er nicht geſehen, ſeit er vor drei Jahren Throl verlaſſen! gewiß beſuchte er ſie! viel⸗ leicht erſt im Herbſt— aber über Botzen ging er gewiß! Dahin mußte ſie. Von dort aus konnte ſie ja an Ilda ſchreiben, an dieſe Frau, die Polydor nie anders als ſeinen Schutzengel genannt. Ilda wird helfen!—
Regine erklärte ihrem Arzt, daß ſie Wien verlaſſen und ſich nach Iſchl begeben werde. Er fand die Jahreszeit viel zu früh, um ſich ſchon jezt zwiſchen die hohen Berge von Iſchl zu wagen. So wolle ſie einſtweilen in Salzburg und Tyrol etwas umherreiſen, denn Veränderung der Luft und
Umgebung ſei ihr durchaus nothwendig. Das fand auch er.
Hofnungsvoll trat Regine ihre Reiſe an.


