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Lieblingskuh, die große Braune geſtützt, oder andächtig mit Roſenkranz und Blumenſtrauß, oder gar als Engel mit einem Lilienzweig, wie er ein Bild in der Kirche geſehen. Die Vorſtellung würde ihm am Beſten gefallen haben, wenn Trautel nicht dazu ihre Augen hätte niederſchlagen müſſen — und ihre Augen waren ſo ſchön! Ach, er hätte gern hun⸗ dert verſchiedene Bilder von ihr gemacht.
Endlich, endlich kam die Stunde nach der Meſſe und er ging hin. Trautel eilte ihm entgegen und bedingte ſich aus mit der großen Braunen zuſammengeſtellt zu werden. Ihr Wunſch machte ſeinen Schwankungen ein Ende. Die Sitzung begann. So aufmerkſam war er nie geweſen; ſo viel Mühe hatte er ſich nie gegeben; ſo feſt und lange hatte er nie ein Mädchen angeſehen— daher war ihm auch noch nie ein Bild ſo gelungen. 4
„Nun iſt's fertig!“ rief er und warf die Kreide fort. Trautel ſprang herzu, ſah es an, brach in ein freudiges: „Ah!“ aus, hüpfte umher und klatſchte in die Hände, ein⸗ mal über's andre rufend:„Wie wird der Sepperl ſich freuen.“
Endlich als ihr Jubel ſich gemäßigt hatte, ſprach ſie:
„Nun ſchönen Dank und gieb her.“ Sie ſtreckte die Hand aus. Aber Polydor hielt das Blatt feſt, ihre. Hand dazu, und ſagte keck:„Du mußt mir einen Kuß geben, ſonſt behalt' ich's.“.
„Da haſt Du den Kuß,“ ſagte Trautel, und drückte ihre friſchen Lippen auf ſeinen Mund,„nun gieb.“
Alles Blut war ihm ins Geſicht geſtiegen und ſein Herz ſchlug heftig. Schön Trautel hatte das Bild, Polydor den Kuß.


