— 20—— mit einem ſcharfen Meſſer aus Lindenholz einen ſaubern Löf⸗ fel, bei dem er ſich viel Mühe gab ihn mit Laubgewinden zu verzieren. Er ſollte die Mutter zum Namenstag erfreuen. Da kam des Nachbars Tochter gegangen, ſchön Trautel, die Braut des reichen Joſeph. Sie trug ein Gefäß mit Waſſer auf dem Kopf und hielt es mit dem rechten Arm. Ihre volle, hohe Geſtalt entwickelte ſich prächtig in dieſer Stellung. Die Anſtrengung ermüdete ſie nicht, ſondern färbte nur ihre Wangen mit glänzendem Roth. Als Polydor ſie kommen ſah, ließ er die Hände ſinken und ſtarrte ſie an. Auf ein⸗ mal blieb ſchön Trautel vor ihm ſtehen. Ob ſie glaubte, daß er ihr etwas zu ſagen habe, ob ſie geſchmeichelt durch ſeine unverholene Bewunderung ihm Gelegenheit geben wollte ſie noch mehr zu bewundern— kurz, ſie blieb ſtehen, wünſchte ihm freundlich guten Abend und fragte, als er un⸗ beweglich ſitzen blieb:
„Aber was gaffſt mich denn ſo an?“
Nun kam auf einmal Leben in die verſteinerte Geſtalt, er ſprang auf, ſchlug die Hände verwundert zuſammen und rief:
„Heilige Mutter Gottes, was iſt die Trautel ſchön!“ — dann wurde er blutroth. Trautel aber ſprach lächelnd und ruhig:
„Willſt Du mich morgen nach der Meſſe auf ein gol⸗ diges Papier malen für meinen Schatz?“
„Ich will wol“— ſagte Polydor, und ſchön Trau⸗ tel ging.
Dies war die erſte ſchlafloſe Nacht ſeines Leben⸗ ſächlich beſchäftigte ihn der Gedanke len ſolle— ob ſo wie er ſie geſte


