Druckschrift 
Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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Eines Tages hatte ſeine Schweſter Walpurge von ihrer Frau Pathe allerlei Herrlichkeiten und darunter auch einen Bogen buntfarbenen Papiers bekommen. Das Band wurde an den Hut geſteckt, die Nadeln ſollten beim Nähen gebraucht werden, und ging eine verloren oder zerbrach ſie, ſo durfte keine neue von der Mutter erbeten werden, die nie eine gab, ohne über die Flüchtigkeit der Walpurge zu ſchmälen. Aber was konnte man mit dem ſchönen, glänzenden, himmelblauen Papier machen?

Das will ich Dir zeigen ſagte Polydor, nahm ein ſauber zugeſpitztes Stück weißer Kreide, und zeichnete darauf die Walpurge wie ſie die Hühner füttert. Die Aehnlichkeit war ſprechend, die Stellung leicht und natürlich. Walpurge lief triumphirend bei ihren kleinen Freundinnen umher, und ließ ihr Bild bewundern, was ihr ungefähr ſo vorkam, als ob ſie ſelbſt bewundert werde.

Polydor ward ein zweiter van Dykv; alle kleine Mädchen wollten von ihm konterfeit ſein, und verſchafften ſich dazu, oft mit größter Mühe, die unerläßlichen Bogen bunten Pa⸗ piers. Sein Künſtlerlohn war ihr Dank und ſeine Zufrie⸗ denheit, wenn Alles ſchrie:

Das iſt die Thereſel mit ihrer ſchwarzen Gais! oder:Das iſt Nannerl wie ſie zur Meſſe geht!

Die Feld⸗ und Hausarbeit ging inzwiſchen immer ihren tüchtigen, raſchen Gang, und wenn Polydor auch Zeit fand ſeine künſtleriſchen Uebungen zu machen, ſo hatte er doch gar keine um irgend etwas Anderes zu lernen. Bei ſechs⸗ zehn Jahren war ihm nur eine Wiſſenſchaft bekannt, die Grur el aller übrigen: er konnte nothdürftig leſen.

, er vor der Thür und ſchnitzte 2*