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der Bildhauer. Dieſe Zartheit läßt keine prächtige Entwicke⸗ lung der Formen zu.“
„Das ſieht man recht an den altdeutſchen Gemälden, ehe die Meiſter in Berührung mit italieniſcher Kunſt gekom⸗ men waren. Die Formen ſind von ängſtlicher Dürftigkeit. Aber wiſſen Sie, ich kann mir noch gar nicht vorſtellen, daß Sie übermorgen nach Oſten fahren wollen, während ich nach Norden fahre. München würde ſo merkwürdig für Sie ſein, und ich würde ſo gern ſehen, welchen Eindruck die reichſte Kunſtſtadt Deutſchlands auf Sie macht! Ob gar überhaupt einen auf Ihr verwöhntes Auge!“
„München muß mir bleiben als Troſt, als Hofnung und Erquickung, wenn es in Wien mir nicht nach Wunſch geht. Und die Trennung von Ihnen iſt mir ja doch gewiß.“
Sie fuhren mit dem Abendläuten in Inſpruck ein, das wunderlieblich zwiſchen Maisfeldern und einige tauſend Fuß hohen Bergen liegt.
Sie verplauderten den Abend, ſprachen Manches von der Vergangenheit und viel von der Zukunft, formten un⸗ zählige Plane zu künftigen Reiſen und Arbeiten, ordneten und ſonderten allerlei Papiere, Bücher und Geräthſchaften, die bei längerem Zuſammenſein und auf der Reiſe unter ein⸗ ander gemengt waren; und als das Alles abgethan war, kniete Polydor vor der Gräfin nieder und ſagte:
„Nun ſegnen Sie mich, denn ich fahre gleich fort, die Poſt geht.“
Sie ſah ihn wehmüthig lächelnd an, legte die Hand auf ſeine Stirn, und ſagte:.
„Gott behüte Sie, und wende, wenn auch nicht den Schmerz, doch Unglück und Schuld gnädig von Ihrem Haupt.
Ilda Schönholm. 2 6


