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zwar, doch mit einem kühlen Lächeln. Er hatte nie an die Möglichkeit eines Herzensverhältniſſes zur Gräfin gedacht, er
wußte, daß ihre Liebe einem andern Gegenſtande geweiht war; allein daß irgend etwas Neues ihn in den Schatten. rücken könne, oder eigentlich, daß ſie es ihm unverholen er⸗ klärte— war ihm verletzend, für ſein Gefühl: ſo meinte er
— für ſeine Eitelkeit: ſo meinen wir.
Sie kamen in Landeck an, ermüdet, erfroren, verdüſtert vom langen Nebel⸗Reiſetag. Auch der Gaſthof war unbe⸗ haglich, ſchmutzig, mit wüſten, großen Zimmern. Der Wind ſauſ'te und der Nebel löſ'te ſich in ſchwere Regentropfen auf, die klirrend an die Fenſterſcheiben ſchlugen. Die Gräfin nickte Polydor eine gute Nacht zu, ging in das ihr angewie⸗ ſene Zimmer, wickelte ſich feſt in ihren großen Shawl, ſetzte ſich auf den erſten beſten dürren, lederbeſchlagenen Stuhl, 4 und lehnte den Kopf zurück an die weiße Kalkwand.
Es war ein ſeltſamer Kopf, gar nicht ſchön, doch ſehr anziehend, der Schnitt einer Madonna und der Ausdruck einer Sibylle; fatiguirte Züge, die auf mehr als ſieben und zwanzig Jahr ſchließen machten, und ein durchſichtiges, wech⸗ ſelndes Colorit, das den Hauch erſter Jugend über ſie zau⸗ berte; Augen, wechſelnd im Ausdruck wie die eines Kindes, und verſchieden im Glanz ſchillernd wie das Meer, wenn Wolken am Mittag darüber hinlaufen; aber zwiſchen den Augen, und im Aufſchlag der langbewimperten Augenlider, ein Zug von unausſprechlicher Schwermuth. Lauter Kon⸗ traſte und doch Harmonie, wie in den großen Bildern, welche die Natur vor uns aufrollt. Das war der Kopf von Ilda Schönholm; das war die analoge Form, welche ihre Seele nicht verhüllte, ſondern leicht umfloß.


