Druckschrift 
Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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Ein alter Kammerdiener, der ſeit zehn Jahren daran gewöhnt war auf allerlei Weiſe für ſie zu ſorgen, war ge⸗ räuſchlos ab und zu gegangen, hatte eine Decke auf den Tiſch gebreitet, Wachslicht angezündet, das Theegeſchirr nicht blos hingeſtellt, ſondern auch den Thee eingeſchüttet und das Waſ⸗ ſer darauf gegoſſen. Nun legte er ein Polſter auf einen der unbequemen Stühle, rückte ihn an den Tiſch, legte einen zier⸗ lich geſtickten Fußſack unter denſelben und ein großes Porte⸗ feuille von Maroquin mit Stahlbeſchlag rechts, eine ſilberne Handſchelle links vom Sitz auf ihn, überzeugte ſich mit einem Blick, daß Alles zweckmäßig geordnet ſei, und fragte mit einer Verbeugung:

Gnädige Gräfin haben weiter nichts zu befehlen?

Ich danke, ſagte ſie mit maſchinenmäßiger Ge⸗ wohnheit.

Gnädige Gräfin befehlen morgen keine Pferde?

Ja wol! um acht Uhr früh nach Inſpruck. Und dann erkundigen Sie Sich doch, was für Reiſende die letzte Nacht hier zugebracht haben, und bringen Sie mir ſogleich die Antwort.

Sie ſetzte ſich an den Theetiſch. Albrecht ging und brachte nach wenigſtens zehn Minuten erſt Antwort:

Bitte unterthänigſt um Verzeihung; aber es hält ſchwer ſich mit dieſen Leuten zu verſtändigen, denn ſie ſprechen kein gutes Deutſch und gar nicht franzöſiſch; daher hat es ſo lange gewährt.

Nun, wer war hier?

Eine vornehme Herrſchaft mit zwei Kindern.

Wie hieß ſie? wohin reiſ'te ſie? rief lebhaft die Gräfin..