wehte ihnen grade entgegen, und wühlte in Schleier und Shawl der Gräfin. Sie preßte ihr Taſchentuch vor den Mund und bog die ſchlanke Geſtalt vornüber, ohne jedoch ihren Schritt zu mäßigen. „Aber Sie erkälten ſich gewiß,“ ſagte Polydor. Sie ſchüttelte den Kopf. 5 „ Es iſt doch nur Eigenſinn das Wormſer Joch erklet⸗ tern zu wollen““ Sie nickte. „Und wie kann es Ihnen Spaß machen bei ſo unbedeu⸗ teenden Dingen Eigenſinn zu haben?“
—„Weil ich bei großen keinen habe!— Uebrigens iſt es unmöglich hier eine Converſation zu machen.“—
Sie gingen ſchweigend weiter.
Die Gräfin Schönholm kehrte nach zweijährigem Auf⸗ enthalt in Italien nach Deutſchland zurück. Sie war unab⸗ hängig, jung und reich, liebte weder das Clima noch das Leben des Nordens, wäre weit lieber jenſeit der Alpen ge⸗ blieben; aber ſo wenig frei iſt man trotz ſeiner Unabhängig⸗ keit, daß man ſich vom irdiſchen Beſitz feſſeln, lenken und beſtimmen läßt! Sie kehrte auf ihre großen glänzenden Herr⸗ ſchaften zurück, wo ihre Anweſenheit zwar nicht nothwendig, aber doch wünſchenswerth war.
Polydor war ein junger Bildhauer, gebürtig aus Welſch⸗
throl, den ſie in Rom hatte kennen lernen, und von dort mit⸗ genommen, weil er nach Wien zu gehen wünſchte. Auf dem Culminationspunkt ſtand endlich die Gräfin ſtill, kehrte ſich nach Süden und ſagte:„Wenn ich binnen Jahresfriſt nicht todt bin, ſo ziehe ich wieder dort hinab.“ „Und ich mit Ihnen, rief Polydor, denn ich glaube nicht, daß ich's länger in Deutſchland aushalte.“
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