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Erſtes Kapitel.
Ein bepackter Reiſewagen fuhr langſam und ſchwerfällig zur letzten Höhe des Wormſer Jochs hinauf. Es war Ende Au⸗ guſt, vielleicht ein wunderſchöner Sommertag in den Thälern von Tyrol und Graubündten, aber in dieſer Höhe, zwiſchen dieſen gewaltigen, ſchneebedeckten Bergen, hingen ſchwere trübe Nebel, und wehte ein ſcharfer Wind. Man ſage was man wolle! auf dem Hochgebirge iſt es im höchſten Grade unbe⸗ haglich, und wenn man dafür in der Majeſtät des Anblicks Erſatz zu finden hoft, ſo wird man ſehr oft getäuſcht; denn es ſind nicht nur Nebel und Stürme in dieſen Regionen hei⸗ miſch und den An⸗ und Ausſichten ſehr nachtheilig, ſondern es fehlen die Kontraſte, es fehlt ein Maßſtab für die Maje⸗ ſtät. Hier iſt Alles ſo hoch, ſo ſchroff, ſo gewaltig, ſo über den Wolken; hier fehlen ſo ganz liebliche Thäler, tiefe däm⸗ mernde Seen, belaubte Hügel und friedliche Dorfſchaften, daß das Auge nicht vergleichen kann, und mehr mit Staunen als mit Bewunderung, mehr mit Grauſen als mit Entz zücken, dieſe in Granit ausgeprägte Natur betrachtet.
Gelangweilt durch die Langſamkeit der Fahrt, hatte die Gräfin Schönholm den Wagen verlaſſen und ging raſch vor⸗ an; neben ihr der junge Polydor. Ein eiſiger Nordwind
Ilda Schönholm. 1


