308 681. Tag.
„Herr,“ ſprach der Veſyr zu ihm,„deine Maje⸗ ſtaͤt befindet ſich in einem bejammernswerthen Zuſtande. Wenn nun Gott, von deinen Leiden geruͤhrt, dir meine Tochter wiedergaͤbe, mit welchem Auge wuͤrdeſt du ſie anſehen? wuͤrdeſt du ihr ihren Fehler verzeihen?“
„O Himmel!“ antwortete Kutbeddin,„wie groß wuͤrde meine Freude ſein, wenn er dieſes Wunder fuͤr mich thaͤte! ich ſchwoͤre, ich wuͤrde Guͤlruch zu meiner Gattinn erheben, wenn er ſie meiner Zaͤrtlichkeit wie⸗ derſchenkte.“
„Wohlan, ſo troͤſte dich, Herr,“ fuhr der Veſyr fort,„du ſollſt ſie wiederſehen.“
Zu gleicher Zeit erhub er die Stimme und rief Guͤlruch, und alsbald trat die ſchoͤne Jungfrau in das Gemach, mit ihren reichſten Kleidern angethan, und bluͤhender noch, als die Blume, deren Namen ſie trug.
Sobald der Koͤnig ſie erblickte, ſank er in Ohn⸗ macht, und das Uebermaaß der Freude ſchien ihm ein Leben zu rauben, welches ſo lange dem heftigſten Schmerze widerſtanden hatte. Der Veſyr lief ſogleich hin und holte Roſenwaſſer herbei, er rieb damit das Geſicht Kutbeddins, der allmaͤhlich wieder ins Leben zuruͤckkehrte. Mit Entzuͤcken umarmte er Guͤlruch; ihr Anblick erquickte und erfriſchte ſein Herz, welches die Entbehrung dieſes geliebten Weſens faſt verzehrt hatte. Darnach fragte er den Veſyr, durch welche gluͤckliche Mittel er Guͤlruch dem ungerechten Tode habe


