Kutbeddin und Guͤlruch. 307 Sechshundert und ein und achtzigſter Tag.
Er vernachlaͤßigte die Regierungsgeſchaͤfte und ward duͤrrer, als eine Diſtel in der Wuͤſte. Endlich begann ſchon ſein Verſtand zu leiden, als eines Tages der Vater Guͤlruchs in das abgelegene Zimmer trat, worin er ſich aufhielt, und zu ihm ſagte:
„O Beherrſcher der Welt! wie lange willſt du dich von einer ſo truͤbſeligen Verzweiflung beherrſchen laßen? ich bin Vater, und die Zeit hat mich ſchon ge⸗ troͤſtet.“
„Ach, Veſyr!“ antwortete ihm Kutbeddin,„wie gefuhllos biſt du! was mich betrifft, ich bin keines Troſtes faͤhig. Dieſelbe Zeit, welche deinen Schmerz geheilt, hat den meinen nur noch geſchaͤrft; vergeblich kömmſt du, mir zu rathen, ich will nichts davon hoͤ⸗ ren, beherrſche meine Staaten nach deinem Gefallen; erwaͤhle dir einen andern Herrn, ich kann an nichts mehr Theil nehmen, ich verzichte auf mein Reich; ich verwuͤnſche das Licht, weil Gaͤlruch es nicht mehr mit mir theilt. O Guͤlruch! Inhalt meines Lebens, was iſt aus dir geworden? ich halte dich nicht mehr auf meinen Knieen. Ich werde nie mehr deine Schoͤnheit bewundern, die nicht ihresgleichen hatte, und die allein mich reizen konnte.“
Mit dieſen Worten warf der Koͤnig ſich zu Bo⸗ den, und gebaͤrdete ſich wie ein wahnſinniger Menſch.


