Der Santon Barhißa. 299
nahm ſie in ſeine Arme, und in Einem Augenblick ver⸗ gaß er ſeiner hundertjaͤhrigen Tugend.
Er hatte kaum ſeine Luſt gebuͤßt, als ſchon tau⸗ ſend Gewiſſensbiſſe raͤchend in ſeiner Seele aufſtiegen und ihn zerfleiſchten. Er rief den Teufel an:
„Ha, Boͤſewicht!“ ſagte er zu ihm,„du biſt es,
der mich verderbt hat. Schon ein Jahrhundert lang
umſchleichſt du mich und ſuchſt mich zu verfuͤhren: end⸗ lich iſt es dir gelungen!“
„O Santon!“ antwortete ihm der Teufel,„mache mir keine Vorwuͤrfe uͤber die Luſt, welche du genoſſen haſt; du kannſt noch wieder Buße dafuͤr thun: aber, was ſchlimmer fuͤr dich iſt, die Prinzeſſinn iſt ſchwan⸗ ger. Dein Verbrechen wird offenkundig, und du wirſt das Maͤhrlein derjenigen werden, die dich jetzo verehren und bewundern; und der Koͤnig wird dich ſchmaͤhlich hinrichten laßen.“
Sechshundert und acht und ſiebzigſter Tag.
Barßißa erſchrack uͤber dieſe Rede.„Was ſoll ich thun,“ fragte er den Teufel,„um zu verhindern, daß dieſe That ruchtbar werde?“.
„Um dein Verbrechen aller Kunde zu entziehen,“ antwortete ihm der Satan,„mußt du ein neues be⸗ gehen: toͤdte die Prinzeſſinn, verſcharre ſie in einem


