Der Santon Barßißa. 297
neſen. Die Heiligkeit ſeines Lebens war ſogar durch mehrere Wunder bewaͤhrt worden.
Da geſchah es, daß die Koͤnigstochter des Landes erkrankte, ohne daß die Aerzte die Urſache des Uebels entdecken konnten. Sie unterließen zwar nicht, auf gut Gluͤck, Mittel zu verordnen: aber anſtatt der Prin⸗ zeſſinn Linderung zu verſchaffen, vermehrten ſie nur ihr Uebel. Der Koͤnig war untroͤſtlich daruͤber, denn er liebte ſeine Tochter leidenſchaftlich. Eines Tages, als er ſah, daß alle menſchliche Huͤlfe vergeblich waͤre, außerte er, man muͤßte die Prinzeſſinn zu dem Santon Barßißa ſenden. Alle Großen ſtimmten dieſer Meinung bei; und die Leute des Koͤnigs fuͤhrten die Prinzeſſinn zu dem Santon.
Dieſer konnte, ungeachtet des Froſtes der Jahre, ein ſo ſchoͤnes Weib, wie die Prinzeſſinn war, nicht ohne Aufregung anſehen. Er betrachtete ſie mit Luſt; und der Teufel benutzte die Gelegenheit und fluͤſterte dem Einſiedler ins Ohr:
„O Santon! laß ein ſo gutes Gluͤck nicht ent⸗ ſchluͤpfen. Sage den Leuten des Koͤnigs, daß die Prin⸗ zeſſinn eine Nacht in deiner Hoͤhle zubringen muͤße: du wuͤrdeſt uͤber ſie beten und ſie, mit Gottes Huͤlfe, hei⸗
len, ſo daß man ſie morgen fruͤh wieder abholen koͤnnte.“
Wie ſchwach iſt der Menſch! der Santon folgte dem Rathe des Teufels und that, was er ihm einfluͤ⸗


