Teil eines Werkes 
10. Bd. (1829)
Entstehung
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29S 676. Ta g.

eben ſo aufrichtig waͤre, als du dir einbildeſt! Aber die Weiber koͤnnen ſich ſehr verſtellen. Unſere Schrift⸗ ſteller erzaͤhlen nur von ihren Treuloſigkeiten. Wenn deine Majeſtaͤt es mir verſtattet, ſo will ich dir eine Geſchichte erzaͤhlen, welche dir beweiſen wird, daß die Maͤnner, die auf ihre Treue bauen, ſehr unklug ſind.

Ich bin geneigt, dich anzuhoͤren, ſagte Hafikin.

Sogleich begann der Veſyr folgendermaßen.*)

Am achten Morgen, als der Koͤnig auf ſeinem Throne ſaß, befahl er abermals, den Prinzen zur Hin⸗ richtung vorzufuͤhren. Aber der achte Veſyr trat her⸗ vor und ſprach alſo:

O Beherrſcher der Welt! ſiehe wohl zu, was du thun willſt. Wenn du ein langes Leben, und eine gluͤckliche Regierung wuͤnſcheſt, ſo verſchmaͤhe nicht die warnende Stimme deiner getreuen Veſyre. Laß den Prinzen nicht toͤdten, der das Herz deines Herzens iſt, damit du dich nicht einer allzu ſpaͤten Reue ausſetzeſt. Es koͤnnte dich ſogar das Leben koſten. Die Frau, welche dir einen ſo unmenſchlichen Rath gibt, wird ſich

*) Dieſe Geſchichte(vom Prinzen Maliknaſir) ſteht ſchon in 100r Nacht,(Bd. XIII., S. 42 ff.) nur abweichend in einzelen Namen und umſtänden,(z. B. von dem gefundenen Beutel, wie in 1001 Nacht, Bd. XII., S. 214.), und verflochten mit drei ande⸗ ren Geſchichten(darunter die obige von dem Schneider und ſeiner Frau.) Ebendaſelbſt(Bd. I., S. 126) findet ſich die darauf fol⸗ gende Erzählung der Königinn, von den beiden Nachteulen.