6„ 592. Tag.
dir ſpeiſen, und dann wollen wir die Nacht im verein⸗ ten Gebet fuͤr die Heimkehr deines Mannes zubringen. Ich mache aber dabei eine Bedingung, naͤmlich, daß du morgen mich ganz fruͤh nach einem Landhauſe be⸗
gleiteſt, wo das Verloͤbnis einer von meinen Verwand⸗
ten ſoll gefeiert werden. Ich verſpreche dir noch, dich wieder heim zu begleiten.“
Ich nahm ihr Erbieten an: wir gingen geſtern mit Anbruch des Tages aus meinem Hauſe, wir fanden ein Boot, welches uns uͤber den Tigris ſetzte, und kamen in eine wenig bewohnte Gegend. Ein abgelebter und ſehr ſchlecht gekleideter Greis nahm uns beim Ausſtei⸗ gen in Empfang, und fuͤhrte uns nach einer Schaͤferei, wo wir eine Geſellſchaft von etwa funfzehn Frauen antrafen. Ungeachtet der Freundlichkeit, womit ſie mich bewillkommneten, erweckte mir jedoch alles, was ich hier ſah, Verdacht, und uͤberzeugte mich, daß die Alte mich betrogen hatte. Ich fragte ſie mit großer Unruhe, wo denn die Hochzeit waͤre, welche ſie mir angekuͤndigt hatte. Sie verſicherte mich, dieſelbe faͤnde am Abend ſtatt, wenn die Liebhaber aller der Maͤdchen, die ich hier ſähe, angekommen waͤren.„Alsdann,“ fuͤgte ſie hinzu,„ſpeiſen wir zuſammen; wir trinken Wein, und
du kannſt dich auch demjenigen zugeſellen, der dir am
meiſten gefaͤllt.“
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Mehr bedurfte ich nicht, um zu begreifen, in wel⸗
chen Abgrund des Unheils dieſe boshafte Alte mich ge⸗


