3⁰½ 588., Tag.
Verlegenheit ziehen koͤnnte, indem es ſie wieder in dem Korbe heim ſendete. „Beſinnſt du dich zu meinen Gunſten?“ fragte Muna, die ihre innere Bewegung gewahrt hatte. „Nein,“ antwortete ihr Sahidé,„keine deiner
Drohungen hat mich geſchreckt; laß uns zu Ruhe gehen.
Du magſt thun, was dich gut duͤnkt,“ ſetzte ſie mit Stolz hinzu;„ich fuͤrchte dich nicht.“ b
Muna, betroffen uͤber eine ſolche Standhaftigkeit in ihrer Verſchmäͤhung, und noch mehr betruͤbt durch
dieſe letzten Worte, welche zugleich ihre Eigenliebe be⸗
leidigten, faßte den Entſchluß, ihr zu gehorchen, trotz der
Wuth, welche ſie im Herzen trug, und druͤckte ſich in
die außerſte Ecke des Sopha's, beunruhigt von tauſend ſich durchdringenden Gedanken.
Sahidé war nicht minder von mancherlei Gedanken
veſturmt. Indeſſen gewaͤhrten ihr die Muͤdigkeit und das Beduͤrfnis, welche ſich einem von Leidenſchaften
freien Herzen leicht fuͤhlbar machen, ſich dem Schlafe hinzugeben. Muna dagegen, die nicht ſchlief, und ſie ſtaͤts beobachtete, konnte dieſen Schlaf nur als den letzten Beweis der Verſchmaͤhung anſehen; es fehlte wenig, ſo haͤtte ſie die ungluͤckliche Prinzeſſinn ihrer Rache aufgeopfert, mit dem Vorſatze, ſie ſelber nicht
zu überleben; zwanzigmal ſtand ſie ſchon im Begriff es zu thun; zwanzigmal betrachtete ſie ihren Dolch:
aber endlich, als ſie den Tag anbrechen ſah, wollte ſie


