Der Korb.
lichen deines Mitleids, welchen deine Hartherzigkeit ins Grab bringen wird.“
Je mehr die Prinzeſſinn in Verlegenheit gerieth, je zufriedener wollte ſie mit ihrer Eroberung ſcheinen, und je mehr verdoppelte Sahidé ihre lebhaften Aus⸗ druͤcke, ihre zaͤrtlichen Betheuerungen, und Liebeswer⸗ bungen. Wenn die Liebe das Herz beherrſcht, kann es ſich da noch in Eroberungen gefallen? Die Prinzeſſinn gab alſo Sahidé ihre Hand, ſagte ihr ein zaͤrtliches Wort, oder blickte ſie lieblich an: aber ihr Herz warf ihr ſogleich eine Handlung vor, welche ſie nicht ein⸗ mal begangen hatte. Sie ſuchte Sahidé von ihrer Liebe abzulenken, indem ſie ſie auf eine Sklavinn auf⸗ merkſam machte, bald um ihren Tanz und ihre Ge⸗ ſchicklichkeit, bald um ihre Geſtalt zu bewundern; dann pries ſie ihr wieder einen Geſang, oder die Verſe deſ⸗ ſelben an. Manchmal ging Sahidé aus Mitleid auf dieſe von der Liebe eingegebene Wendungen und Aus⸗ fluͤchte ein. Der Grund derſelben war ihr zu lieb, als daß ſie nicht dieſe Gefaͤlligkeit gehabt haͤtte. In⸗ deſſen, um ſich voͤllig von dem Gluͤck ihres Bruders zu uͤberzeugen, dankte ſie ihr bald fuͤr ihre Huld, bald legte ſie die gleichguͤltigſte Gebaͤrde oder Rede zu ihren Gunſten aus; und dieſes Benehmen ſetzte die Prinzeſ⸗ ſinn in Verzweiflung, um ſo mehr, als Sahidé eben ſo vermieden hatte, ſich der Lockung des koͤſtlichen Weins hin zu geben, welchen man ihr unaufhoͤrlich


