10 456. Tag.
dem eurigen ſchaden zu koͤnnen; und das Vertrauen, welches ich in euch ſetze, iſt der Beweis davon.
Ich habe kuͤrzlich das Ungluͤck gehabt, meinen Bruder zu verlieren; er hat mir ſeine Erbſchaft hin⸗ terlaßen, mir, der ich ſelber ohne Erben bin. Sein Grab iſt zwar ſehr weit von hier, tief in den Arme⸗ niſchen Bergen: aber man kann uͤberall beten, und ich habe euch, heilige Frau, zu mir einladen laßen, um hieſelbſt eure wirkſamen Gebete fuͤr ihn zu ver⸗ richten.“
„Herr,“ antwortete meine Aeltermutter,„ich habe ſchon meine Abwaſchungen und meine beiden Morgen⸗ gebete verrichtet, und bin bereit, euer Verlangen zu erfuͤllen. Ich wuͤnſchte nur zu wiſſen, welches Ge⸗ werbe der Verſtorbene trieb, und zu welchen Fehlern er geneigt ſchien.“—
„Er war Kaufmann, wie ich, hier ſind ſeine Handlungsbuͤcher, welche mir uͤbergeben worden. Ue⸗ brigens mochte er den Frauen etwas zu ſehr ergeben ſein; ich glaube ſogar, daß dieſes ſein Ende beſchleu⸗ nigt hat: aber ich hoffe, daß Mahomed es ihm ver⸗ geben wird.“
„Und ich auch,“ ſagte ohne Zweifel Haméné im Stillen.—„Reichet die Handlungsbuͤcher von der Stelle herab, wo ich ſie ſtehen ſehe; ich will ſie mit meinem Roſenkranz umgeben. Der Menſch hat in dem Gewerbe, welches er treibt, eine fortwaͤhrende


