Schahadildin von Damask. 9
brachte Almoſen vertheile, als wenn ich taͤglich drei⸗ ßig ſolche Tagediebe ernaͤhrte, wie ſie.“
Indem die alte Haméné ſo ihren Vortheil be⸗ rechnete, gelangte ſie nach dem Chan. Sie fand dort auf einem reichen Sopha einen dem Anſcheine nach ſchon ſehr bejahrten Mann, von hoher Geſtalt, mit einem langen und dicken weißen, ehrwuͤrdigen Bart, einem Turban vom groͤßten Umfange, und in einem Armeniſchen Rocke mit weiten Falten. Dieſer Mann kam meiner Urgroßmutter, ſo bald er ſie erblickte, ehr⸗ erbietig bis an die Thuͤre ſeines Waarenlagers ent⸗ gegen...
„Ich danke es, ehrwuͤrdige Frau,“ ſprach er zu ihr, indem er ihr die Hand reichte, um ſie nach dem Sopha zu fuͤhren,„ich danke es meinem Gluͤcksſterne, daß er mich nach Damask gefuͤhrt hat, um hier in der Huͤlfe der heiligen Frau, welche mich mit ihrem Beſuche beehrt, ein Mittel gegen meine Beaͤngſti⸗ gungen zu finden.“
„Nicht Alle, lieber fremder Herr,“ antwortete Haméné,„denken ſo, wie ihr; die Fakire und die Santone 1 2 4—
„Bekuͤmmern wir uns nicht, ehrwuͤrdige Frau, wie jene Leute die Dinge anſehen; man iſt in dem Chan von ihren Raͤnken gegen euch unterrichtet: ſie haben wieder ihren bekannten Charakter bewaͤhrt, ohne


