Schahadildin von Damask. 3
len, um euch weder uͤber ſie, noch uͤber mich zu taͤuſchen.
Sie hieß Haméné, und war, mit einer einzi⸗ gen Tochter, ſehr fruͤhzeitig Wittwe eines Kaufmanns zu Damask geworden.
Ich erinnere mich, daß ein Edelknabe, den der Koͤnig, mein Großvater, liebte, einſt zu mir ſagte:
„Nimm dich in Acht, daß deine Urgroßmutter dich durch ihre Froͤmmigkeit nicht unter die Erde bringt, wie ſie es mit ihrem Mann und mit ihrem
Schwiegerſohn gemacht hat.“ Ich zweifle nicht, daß der Edelknabe dieſe Be⸗ merkung uͤber meine Urgroßmutter anderweitig gehoͤrt
hatte; indem man ſie nur die heilige Haméné,
oder die Heilige von Damask nannte; und nie⸗ mals trieb ein Menſch es weiter in den Aeußerlichkei⸗ ten der Heiligkeit.
Sie ging nie anders aus, als mit einem Schleier, der groͤßer und dichter war, als ihn alle andern Frauen trugen; und ihre ganze Kleidung von duͤſtern Farben, ihre lange, duͤrre und, ungeachtet ihres Alters, gerade Geſtalt, haͤtten ſie ſchon genugſam kenntlich gemacht, wenn nicht das dicke Buch des Korans, welches ſie ſtaͤts unter dem Arme trug, und ein Roſenkranz,*)
*) Solche Roſen kränze, Masphaha genannt, rragen die Derwiſche und Santone um den Hats.


