Badvildin, Prinz der Tatarei. 3¹9
Vierhundert und drei und funfziſtger Tag.
So bald ich im Stande war, aufrecht am Altar zu ſtehen, mußte ich allen Opfern beiwohnen; ein un⸗ uͤberwindlicher Widerwille entfernte mich von Stund' an von den Pflichten, welche man mir aufzuerlegen trachtete.
Unterdeſſen ſchienen mein Vater und meine Mut⸗ ter in ihrer Ehe des groͤßten Gluͤckes zu genießen; ein reicher Kinderſegen war die Folge davon; ich habe drei juͤngere Bruͤder in voller Geſundheit daheim gelaßen; und obgleich ich, als Aſtaroths Geweihter, vom Thro⸗ ne ausgeſchloſſen war, ſo durfte mein Vater doch nicht beſorgen, ohne Nachfolger zu bleiben.
Was mich betrifft, ſo war mir dieſer gezwungene Beruf ſehr zur Laſt; ich legte mich auf nichts, was mein Prieſterſtand erforderte, und wenn ich in dem, was man mich lehrte, unterrichtet ſchien, ſo war es allein der Natur zu verdanken, welche mich mit einer großen Leichtigkeit begabt hatte. Wenn ich dagegen den Haͤnden meiner Waͤrter entſchluͤpfen konnte, beſtieg ich das erſte beßte Pferd, oder rannte ins Feld hinaus, einen Bogen in der Hand. Unter dieſen verſchiedenen Beſchaͤftigungen, denen ich mich entzog, oder mit Un⸗ luſt uͤberließ, erreichte ich mein funfzehntes Jahr.
Eines Tages, als ich, in Linnen gekleidet und mit Roſen bekränzt, dem Oberprieſter bei einem gro⸗


